Das große Ereignis sollte programmgemäß auf der Rennbahn von Salinas stattfinden. Wir wurden von einem Militärauto abgeholt und fuhren hin in einer Stimmung, die an Feierlichkeit und Gehobenheit noch die bei einer großen Beerdigung überstieg. Unser Vater arbeitete in der Zuckerfabrik von Spreckles, die etwa fünf Meilen von der Stadt entfernt lag und konnte nicht abkommen; vielleicht wollte er auch nicht, weil er Angst hatte, er werde die Aufregung nicht überstehen. Olive jedoch hatte sich, bei Strafe sonst nicht mitzufliegen, ausbedungen, das Flugzeug müsse mindestens bis zur Zuckerfabrik fliegen, ehe es abstürtze.


Heute verstehe ich, daß das Hunderte von Leuten zählende Publikum bloß gekommen war, um das Flugzeug zu sehen; damals aber bildeteten wir uns ein, all die Leute seien hinausgepilgert, um meiner Mutter Ehre anzutun. Olive war nicht von großem Wuchs, und damals hatte sie gerade angefangen, recht rundlich zu werden. Wir mußten ihr aus dem Auto heraushelfen. Wahrscheinlich war sie einfach steif vor Angst, aber ihr kleines Kinn war tapfer hochgereckt.


Das Flugzeug stand auf dem Gelände, um das die Rennstrecke herumlief. Es wirkte bestürzend klein und klapprig; es war ein Doppeldecker mit offenem Cockpit, hölzernen Streben und einfacher Drahtverspannung. Die Flügel waren mit Segeltuch bespannt. Olive war wie betäubt. Wie ein Rind zur Schlachtbank trat sie seitlich an den Apparat heran. Über ihre Kleider, die, wie sie überzeugt war, ihre Sterbekleider waren, zogen zwei Sergeanten einen Mantel, dann einen wattierten Mantel und noch einen Fliegermantel; mit jeder Schicht wurde sie runder und dicker. Dann bekam sie einen Lederhelm und eine Schutzbrille aufgesetzt, und mit ihrem Stupsnäschen und ihren runden rosigen Bäckchen war sie schnurrig anzusehen. Sie sah aus, wie ein Gummiball mit Brille. Die beiden Sergeanten hißten sie buchstäblich in das Cockpit und verstauten sie darin. Als sie ihr die Sicherheitsgurte anschnallen wollten, wurde sie plötzlich lebendig und machte sich durch aufgeregtes Winken bemerkbar. Einer der Unteroffiziere kletterte zu ihr hinauf, um zu hören, was sie wolle, dann trat er zu meiner Schwester Mary hin und führte sie neben den Apparat. Olive war gerade im Begriff, den dicken Fliegerhandschuh von der linken Hand zu zerren. Als sie endlich ihre Hände frei hatte, zog sie ihren Verlobungsring mit dem winzigen Brillanten vom Finger und reichte ihn Mary hinunter. Ihren goldenen Trauring steckte sie ganz fest, zog die Handschuhe wieder an und richtete den Blick dann nach vorwärts. Der Flieger erkletterte den Führersitz, einer der Sergeanten hängte sich mit seinem ganzen Gewicht an den Propeller. Das kleine Fahrzeug hoppelte los, wendete, brauste dann über das Feld hin und erhob sich schwankend in die Luft, während Olive immer pfeilgerade vor sich hinblickte, das heißt: Wahrscheinlich hatte sie die Augen zugedrückt.