Olive bedaß großen Mut. Es bedarf wohl des Muts, um Kinder großzuziehen. Ich muß doch erzählen, wie sie sich im Ersten Weltkrieg verhielt. In internationalen Begriffen vermochte sie nicht zu denken. Die erste Grenzlinie ihrer Welt zog die Geographie ihrer Familie, die zweite die der Stadt Salinas, und schließlich kam noch eine dritte, gestrichelte, unklar verlaufende Grenzlinie, die des Countys, des Bezirks. So glaubte sie eigentlich gar nicht an den Krieg, nicht einmal, als "Truppe C", unsere Militärkavallerie, aufgeboten, deren Pferde verladen und die Mannschaften nach Gott weiß welchem Ziel in der weiten Welt abtransportiert wurden.
Martin Hobbs wohnte um die Ecke von uns. Er war kurz und dick, hatte rote Haare, einen breiten Mund und rote Augen. Er war so ungefähr der schüchternste Junge in ganz Salinas. Wenn man ihm bloß guten Morgen sagte, geriet er fast aus dem Häuschen vor Verlegenheit. Der Militärkavallerie gehörte er an, weil beim Zeughaus ein Basketballplatz war.
Wenn die Deutschen Olive gekannt und ein bißchen Verstand im Kopf gehabt hätten, würden sie sich wohl gehütet haben, sich ihren Zorn zuzuziehen. Aber sie kannten sie nicht, oder sie waren zu dämlich. Als sie Martin Hobbs totschlugen, hatten sie den Krieg verloren; denn da wurde meine Mutter wild, und sie bekamen es mit ihr zu tun. Sie hatte Martin Hobbs gern gehabt. Er hatte keiner Fliege etwas zuleide getan. Als er gefallen war, erklärte Olive dem Deutschen Reich den Krieg.
Sie sah sich nach einer Waffe um. Ohrenschützer und Socken zu stricken, das war ihr viel zu harmlos. Eine Zeitlang zog sie sich Rotkreuztracht an und gesellte sich zu den anderen gleicherweise gekleideten Damen, die im Zeughaus Mullbinden zusammen- und Skandalgeschichten aufrollten. Das war alles schön und gut, aber das versetzte dem Kaiser nicht den Todesstoß. Olive wollte blutige Rache für Martin Hobbs nehmen. Schließlich fand sie die geeignete Waffe in der Kriegsanleihe. In ihrem ganzen Leben hatte sie noch nichts verkauft, außer dann und wann einen selbstgebackenen Kuchen anläßlich eines Wohltätigkeitsbasars im Untergeschoß der anglikanischen Kirche, aber jetzt fing sie an »Liberty-Bonds« ballenweise an den Mann zu bringen. Mit einer wilden Wut stürzte sie sich in diese Tätigkeit. Sie muss den Leuten geradezu Angst gemacht haben vor dem, was ihnen bevorstehe, wenn sie keine Kriegsanleihe zeichneten. Den Käufern flößte sie die Empfindung ein, sie bewährten sich damit als Kämpfer für die Freiheit der Welt, und jede gekaufte Aktie sei ein Bajonettstich in die Eingeweide Deutschlands.
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